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9. Februar 2016

Glaube keiner Statistik

Markus Elsässer war früher Top-Manager in der Wirtschaft, unter anderem bei Dow Chemical und bei der Storck Gruppe. Seit 1998 ist er selbstständiger Investor und Fondsberater. 2012 gründete er mit dem Ex-Fußballprofi Simon Rolfes das Sport-Management-Unternehmen Rolfes & Elsässer – The Career Company.

Man lernt ja nie aus. Ich habe in den vergangenen Monaten gelernt, dass man keiner Statistik trauen darf. Da wird uns jahrelang erzählt, dass es bald kein Öl mehr gibt, folglich wird Öl immer teurer. Und jetzt gibt es auf einmal wieder ein riesiges Überangebot und die Preise stürzen ab. Merkwürdig.

Apropos Statistik: Was soll eigentlich diese China-Panik? Wer hat denn ernsthaft geglaubt, dass eine Volkswirtschaft auf Dauer acht bis zehn Prozent wachsen kann? In ein paar Jahren sind auch zwei Prozent völlig in Ordnung – entscheidend ist, dass Peking gute Bedingungen für seine Bürger schafft: intakte Straßen, schöne, bezahlbare Wohnungen, Schutz vor Kriminalität. Konsumieren werden die Chinesen von ganz allein – und nicht zu knapp. Man darf nicht den Fehler machen, die chinesische Börse als Spiegelbild der Konjunktur zu sehen. Ich bin in Hongkong aufgewachsen. Schon damals fiel uns die Zockerleidenschaft der Chinesen auf. Das ist heute noch so. In Hongkong wird an einem Wochenende mit Pferdewetten mehr umgesetzt als in Deutschland im ganzen Jahr. Viele Chinesen machen keinen Unterschied zwischen einer Pferdewette und Aktienspekulationen. Besonders problematisch dabei ist, dass sie schnell in Panik geraten, wenn die Kurse nachgeben. Dann verkaufen sie sofort.

Trotz der Unruhen in den vergangenen Wochen bin ich optimistisch für das Gesamtjahr und halte an meiner DAX-Prognose von 12.000 Punkten Ende 2016 fest. Langfristig ist das allerdings längst nicht das Ende der Fahnenstange. Immer mehr Menschen steigen weltweit in die Mittelschicht auf und wollen alle am Wohlstand teilhaben: Aufzüge, Autos, Smartphones. All das können die Top-Unternehmen aus den USA und Westeuropa liefern. Ein weiteres wichtiges Argument für eine lange Hausse ist das Dilemma der Pensionsfonds. Wenn die Menschen, vor allem in den Schwellenländern, mehr verdienen, haben sie später auch Anspruch auf höhere Pensionen. Die Pensionsfonds können ihren Verpflichtungen aber nicht mit den lächerlichen Zinsen an den Anleihenmärkten gerecht werden. Das geht nur mit Aktien.

Wer nicht weiß, was er kaufen soll, kann sich die Linde-Aktie anschauen, deren Korrektur bald vorbei sein sollte. Hier könnte man mit Staffellimits vorgehen. Langfristig orientierte Anleger machen gewiss mit Nestlé und Unilever nichts verkehrt. Nicht empfehlenswert sind Versorger- und Bank-Aktien.