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28. Februar 2018

Groß oder klein

Gastbeitrag von Lars Kolbe, Aqualutum GmbH (erschienen im Smart Investor 03/2018).

Kriterien der Managerselektion
Während zu Beginn der 1990er-Jahre nur etwa 800 Fonds in Deutschland angeboten wurden, buhlen mittlerweile mehr als 10.000 Fonds um die Gunst der Anleger. Es bieten sich nun unterschiedliche Möglichkeiten der Kategorisierung an. Ganz grob ist zunächst zwischen aktiven und passiven Fonds zu unterscheiden. Da dieser Beitrag auf die Managerselektion abzielt, beziehe ich mich nachfolgend ausschließlich auf aktive Fonds. Dort wiederum ist es durchaus interessant, einen Blick auf die Anbieter zu werfen. Hier bietet sich eine Unterscheidung zwischen den großen Anbietern, wie Deka, Union, Deutsche Asset, AGI, und spezialisierten Boutique-Anbietern an.

Vollsortimenter vs. Boutique-Anbieter
Ein wesentliches Merkmal der großen Anbieter ist, dass sie zumeist Vollsortimenter sind. Wie bei REWE gibt es eigentlich alles, was das Herz begehrt. Doch nicht nur Dutzende Fonds in allen Anlageklassen werden angeboten, sondern auch innerhalb einer Anlageklasse (z.B. deutsche Aktien) gibt es bis zu fünf verschiedene Fonds. Dies führt meist dazu, dass man immer irgendeinen Fonds im Jahresranking ganz weit oben zeigen kann. Egal, was gelaufen ist: Eines meiner Pferdchen läuft stets vorne mit. Das erleichtert die Arbeit des Vertriebs wesentlich – man hat immer eine Story parat. Da haben es Boutique-Anbieter schwerer. Sie haben zumeist nur einen Fonds bzw. eine Strategie am Start. Hat man es beispielsweise mit einem Spezialisten für die Value-Anlage zu tun, wird dieser regelmäßig in Bullenmärkten hinterherlaufen. Ähnlich geht es dem Biotech- oder Russlandspezialisten: Laufen »seine« Märkte nicht, droht eine längere Saure-Gurken-Zeit.

Feel the Pain
Eine weitere wichtige Abgrenzung: Bei den Boutique-Anbietern kocht der Chef nicht nur selbst, er isst meist auch seine Suppe. Will heißen: Die Manager sind mit eigenem Geld in ihren Fonds investiert. Das ist bei den großen Fondsfabriken zwar theoretisch auch möglich, aber höchst unwahrscheinlich. Wer will schon in »seinen« Fonds investieren, wenn ein Anlagekomitee von fünf, sieben oder mehr Leuten über die Investments entscheidet. Bei einem großen deutschen Anbieter verlies jüngst ein erfolgreicher Rentenfondsmanager das Haus. Die Folge: Dieser Fonds wird künftig von einem zehnköpfigen (!) Team »verwaltet« (diese Bezeichnung kann man ruhig wörtlich nehmen). Die offizielle Pressemitteilung dazu: »Für Sie ändert sich nichts!« Da sind wir anderer Meinung! Die Person des Fondsmanagers und die von ihm verfolgte Strategie sind zentraler Bestandteil des Managerauswahlprozesses. Wechselt das Management, ist eine sorgfältige Überprüfung der Situation unabdingbar.

Erfahrung vs. jugendlichen Elan
Natürlich ist es leichter, einen Fonds zu überprüfen, wenn ein langjähriger Track Record besteht. Was aber ist zu tun, wenn ein junger Mensch vor einem steht und um Startkapital für seinen neuen Fonds bittet? Hier helfen nur ein ausführliches Gespräch und ein paar Nachfragen im eigenen Netzwerk. Was hat er/sie bisher gemacht? Ist eine außergewöhnliche Passion erkennbar? Welche Unterstützung ist eventuell vorhanden? Es kann sich durchaus lohnen, in der frühen Phase dabei zu sein. Da wird erfahrungsgemäß alle Kraft in das Management des Fonds gelegt. Später kommen dann das Management einer Firma, der Mitarbeiter sowie der Vertrieb hinzu.
  
Lars Kolbe (Jahrgang 1966) ist Dipl.-Kaufmann und seit 2011 Gründer und Geschäftsführer der Aqualutum GmbH. Frühere Stationen waren u.a. die Bad Homburger FERI Trust, wo er das Fondsresearch verantwortete. Kolbe ist Fondsberater des Fonds m4 masters select (WKN: A12F3R).