News

7. März 2017

Krisenzeiten bieten Möglichkeiten

Smart Investor im Gespräch mit Dr. Markus Elsässer von ME Fonds über den Investmentansatz des ME Fonds – Pergamon (WKN: 593117) und die Risiken antizyklischen Investierens.

Smart Investor: Wie würden Sie den Investmentansatz des ME Fonds - Pergamon charakterisieren?

Elsässer: Hier haben wir ein klar fokussiertes Konzept: Wir investieren antizyklisch in Sondersituationen. Die Besonderheit liegt darin, dass es sich hierbei nicht um einen kurzfristigen Trading-Ansatz handelt. Unsere Stärke ist vielmehr das Erkennen von fundamentalen und langfristigen Fehlbewertungen an der Börse. Wir konzentrieren uns dabei auf drei Blöcke: Fehlbewertungen von einzelnen Unternehmen, ganzen Branchen und Regionen.

Smart Investor: Der Fonds hat ein sehr gutes Jahr 2016 hinter sich und Anfang Februar ein 52-Wochen-Hoch erzielt. In den vorangegangenen Jahren hatten es Rohstoffaktien und damit auch der Fonds schwer. Ist die Renaissance der Rohstoffaktien nachhaltig?

Elsässer: In der Tat, mit einem Plus von 57,1% im Jahr 2016 und einer weiterhin starken Entwicklung 2017 (+11% Stand: 15.2.17) haben wir sehr gut gewirtschaftet. Unsere zutreffende Analyse der extremen Unterbewertung des Rohstoffsektors Anfang 2016 hat sich ausgezahlt. Wir sehen auch weiterhin in gewissen Segmenten der Rohstoffwelt großes Aufholpotenzial. Aber eben nicht auf allen Gebieten. Entsprechend haben wir umgeschichtet. Unter anderem favorisieren wir weiterhin die Edelmetalle.

Smart Investor: Birgt Ihr antizyklisches Investitionsmodell nicht auch immer die Gefahr, »ins fallende Messer« zu greifen? Wie vermeiden Sie das Problem?

Elsässer: Das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Antizyklisches Investieren hört sich leichter an, als es sich in der Realität gestaltet. Wir begegnen dieser Herausforderung mit einem eigens entwickelten »Fundamental-Technischen Modell«. Auf der fundamentalen Seite schauen wir nach substanziellen Turnaround-Situationen. Diese Engagements verfolgen wir mit großer Beharrlichkeit und einem mittelfristigen Anlagehorizont.

Auf der technischen Seite setzen wir stark auf die Analyse von Börsenindikatoren. Hier legen wir extrem strenge Maßstäbe an. Typischerweise schaffen es von 20 analysierten Kandidaten nur ein bis zwei ins Portfolio. Damit verpassen wir eventuell die eine oder andere Chance, reduzieren aber massiv unser Risiko. Ohne Systematik ist man als Anti-Zykliker verloren.

Smart Investor: Wo sehen Sie vor dem Hintergrund günstiger Bewertungen Chancen?

Elsässer: Sogenannte Favoritenwechsel seitens großer institutioneller Anleger offerieren regelmäßig große Chancen. Zuletzt konnte man dies bei der Umschichtungswelle von defensiven Qualitätsunternehmen (sog. »bond proxies«) hin zu zyklischen Aktien im Herbst 2016 erleben. Geopolitische Verwerfungen, wie sie zuletzt beim Brexit oder den US-Präsidentschaftswahlen zu beobachten waren, werden auch weiterhin zu Börsenturbulenzen führen und dem besonnenen Anleger große Chancen bieten. Die völlig überbewerteten Meinungen der Analysten sowie ihre extrem kurzfristige Betrachtung von Quartalsergebnissen führen zu immer krasseren Kursausschlägen bei den betroffenen Aktien. Auch hier lohnt es sich, gut hinzusehen.

Smart Investor: Was raten Sie Anlegern in diesen turbulenten Zeiten für ihre Kapitalanlage generell?

Elsässer: Die Medien werden derzeit von den Faktoren »Angst und Schrecken« geleitet. Leider lassen sich sehr viele Anleger davon zu sehr beeinflussen und geben de facto auf. Vor lauter Sorge um die Zukunft stecken sie den Kopf in den Sand und beschäftigen sich nicht mehr mit der Börse. Dabei wird völlig übersehen, dass es gerade die Krisenzeiten sind, welche dem Kapitalanleger enorme Möglichkeiten bieten. So haben beispielsweise die wirklich schlimmen Verhältnisse in den 20er-Jahren in Deutschland erst den Aufbau großer Vermögen ermöglicht. Als Beispiele sind hier die Familien Stinnes und Flick zu erwähnen. Wenn man diese Erfolgsgeschichten analysiert, so erkennt man eine gemeinsame Linie, und auf die kommt es an: Zum einen eine klare Sachwertorientierung, allen voran Aktien von guten Unternehmen, und zum anderen das mutige antizyklische Investieren, besonders gegen die vorherrschende Meinung in den Medien.

Smart Investor: Herr Dr. Elsässer, vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

Geboren 1956 in Heidelberg, wuchs der Sohn eines Botschafters in London, Hongkong, Paris und Kairo auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium an der Universität in Köln arbeitete Dr. Elsässer in einer Wirtschaftsprüfer-Sozietät. Seine Industriekarriere begann er als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland. Danach war er in Sydney, Australien, als General Manager für Benckiser und schließlich in Singapur als Managing Director Asia-Pacific für die Storck Gruppe tätig.

Seit 1998 ist er selbstständiger Investor und Fondsberater. Darüber hinaus war er viele Jahre als Mitglied in Beiräten von einflussreichen Industriefamilien tätig und arbeitete für einige Jahre eng mit dem bekannten New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen. 2016 erschien sein Buch »Des klugen Investors Handbuch«.